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Renate Götschl

Renate Götschl - Sportlerin des Jahres 2005

Götschl - Presse am 03.11.2005 - 14:21 Uhr

Acht Jahre, nachdem sie zum ersten Mal ganz oben gestanden war, ist Renate Götschl wieder Sportlerin des Jahres in Österreich. Acht Jahre, in denen die Steirerin von einer Sturzpilotin zur Speed-Queen avanciert ist und als mittlerweile 30-Jährige als "Grand Dame" des Skisports gilt.

Hatte die am 6. August 1975 in Judenburg/Steiermark geborene Götschl den Sieg bei der Sportlerwahl 1997 in erster Linie ihrem WM-Kombigold von Sestriere zu verdanken gehabt, überzeugte sie diesmal die Fachjournalisten mit Abfahrts-Bronze bei der WM, vier Weltcup-Saisonsiegen sowie dem vierten Gewinn des Abfahrts-Weltcups. Vor allem aber mit dem historischen Cortina-Hattrick im Jänner, den sie mit dem 100. Abfahrtssieg für Österreichs Skidamen krönte.

Ski-Phänomen

Mit acht Siegen an einem Ort hatte sich Götschl dabei in Cortina auch auf eine Stufe mit Ingemar Stenmark und Katja Seizinger gestellt. Den Gesamt-Weltcup beendete sie als Dritte und damit zum zehnten Mal in Folge in den Top 10, zum insgesamt sechsten Mal in den Top 3. Das muss ihr erst einmal wer nachmachen. Und hätte Götschl nicht im März 2002 eine schwere Knieverletzung erlitten, würden wohl noch mehr Erfolge auf der Habenseite stehen.

Renate Götschl ist längst ein Ski-Phänomen. Die Obdacherin war 1999/2000 Weltcup-Gesamtsiegerin, hat zwei Mal den Super-G-Weltcup gewonnen und mittlerweile vier Abfahrtskugeln zu Hause, womit ihr nur noch eine zum Rekord von Franz Klammer fehlt.

Sie ist Doppel-Weltmeisterin, hat außer im Riesentorlauf in allen Disziplinen gewonnen und sechs WM- sowie zwei Olympia-Medaillen geholt. Nur ein Olympiasieg fehlt der Ausnahme-Skifahrerin noch in der Sammlung. Im Februar bei den Spielen in Turin soll es endlich klappen.

Speed-Queen

1993 war Götschl als 17-jährige Sensationssiegerin im Hafjell-Weltcupslalom in die Szene gestürmt, seitdem hat sie sich mit 19 Abfahrts- und 13 Super-G-Siegen im Weltcup zur "Speed-Queen" gemausert. Mit derzeit 37 Weltcupsiegen liegt sie in der ewigen Bestenliste auf Platz drei hinter den Allzeit-Größen Annemarie Moser-Pröll (62) und Vreni Schneider (55). "Natürlich habe ich immer davon geträumt, über den Sport zumindest einen Eindruck zu hinterlassen. Deshalb freut es mich, dass es so aufgegangen ist", sagte Götschl anlässlich ihres 30. Geburtstages im vergangenen Sommer.

Renate Götschl genießt "jeden Tag, an dem ich gesund bin und meinen Sport ausüben darf." Die einstige "Sturzpilotin" ("Anfangs stoßt man sich eben oft die Nase an, heute würde ich in Vielem anders handeln") schätzt sich glücklich. "Skifahren war immer mein Traum, und der ist in Erfüllung gegangen. Ich hatte Glück, so weit gekommen zu sein. Ich würde wieder Skifahrerin werden."

Rückschläge

Rückschläge sind für Götschl eher Chancen als Krisen. "Fehler müssen passieren, weil man daraus viel lernen kann." So ist aus der der früheren Bruchpilotin eine verlässliche Siegläuferin geworden. Götschl: "No risk, no fun war früher. Heute macht mich der Leistungsdruck eher stärker. Immer wenn man mich fast schon abgeschrieben hat, ziehe ich alle Register. Ich lasse mich nicht unterkriegen."

Wie lange Götschl dem Skisport als Rennläuferin noch treu bleiben wird, ist offen. "So lange ich Freude daran habe. Ich genieße auch deshalb jeden Tag, weil ich weiß, wie es ist, wenn man nicht Skifahren kann", meinte die Steirerin, die mit ihren 30 Jahren die jüngste im "Golden-Girls-Trio" des ÖSV-Damenteams ist.

Kurier, 03.11.2005


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