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Renate Götschl

Ganz natürlich

Götschl - Presse am 10.11.2005 - 14:24 Uhr

Renate Götschl hat fast alles erreicht, was man erreichen kann, und ist doch am Boden geblieben. Die sympathische Obdacherin im Porträt.

Normalerweise sorgt sie mit ihren Erfolgen für Schlagzeilen. Vergangenen Mittwochabend war es, neben der Wahl zur beliebtesten Sportlerin des Jahres, auch ihr Outfit, das für Furore sorgte. „Speedqueen“ Renate Götschl zeigte sich bei der Sportlergala in Linz von einer völlig anderen Seite und tauschte Sturzhelm und Rennanzug gegen das „kleine Schwarze“.
Für Renate eine willkommene Abwechslung. „Man sieht uns ja generell nur im Rennanzug. Und da finde ich es schon mal nett, sich von der weiblichen Seite zu zeigen. Wichtig ist nur, dass man sich selbst wohl fühlt”.

Doch was einem selbst gefällt, trifft oft nicht den Geschmack der anderen. Da kann es durchaus auch vorkommen, dass sie auf ihr Styling angesprochen wird. Aber auch damit hat Renate gelernt umzugehen, genauso wie mit dem Rummel um ihre Person. „Am Anfang war es sicher nicht ganz so leicht, aber man wächst hinein und lernt, seinen eigenen Weg zu finden.

Und den hat die 30-Jährige ohne Zweifel gefunden. „Im Laufe meiner Karriere hat es viele schöne Momente gegeben. Ich hab viel erreicht und sowohl Höhen als auch Tiefen erlebt.“

Trotz aller Erfolge und Preise, die sie in ihrer bisherigen Laufbahn eingeheimst hat, haben für Renate Auszeichnungen wie jene der „Sportlerin des Jahres“ einen besonderen Stellenwert.

„Gerade die Wahl zur Sportlerin des Jahres ist für mich eine besondere Ehre, denn es gibt viele gute Kolleginnen, die heuer hervorragende Leistungen erbracht haben. Und ehrlich gesagt habe ich nicht damit gerechnet, den Preis zu bekommen“.

Der Mühe Lohn gehen allerdings anstrengende Trainings, unzählige Testfahrten und ein Leben aus dem Koffer einher. Doch auf den Spitzensport verzichten kann Renate noch nicht, denn Schifahren macht ihr heute noch genauso viel Spaß, wie zu Beginn ihrer Karriere. Die dafür nötige Ruhe und Kraft tankt sie zuhause in Schwarzenbach. „Am besten abschalten kann ich im Umgang mit meinen Pferden, aber auch beim Faulenzen vor dem Fernseher“.

Auf ihren Reisen von Rennen zu Rennen schätzt die 30-Jährige sofern es möglich ist, den Beistand ihrer Familie. „Es ist schon angenehm, jemanden bei sich zu wissen. Egal, wie es einem beim Rennen ergeht. Wenn’s gut geht, kann man gemeinsam feiern und wenn’s nicht so läuft, dann leiden sie mit mir mit“.

Einige ständige Begleiter hat Renate allerdings: Ihre Stofftiere. „Ich hab immer eine kleine Sammlung mit. Einen Bär, ein Schweinderl – und einen Rosenkranz von meiner Mutter“. Den würde Renate wahrscheinlich genauso wie Freund Hannes, ein gutes Buch und Spielkarten mit auf eine einsame Insel nehmen, denn auf diese drei könnte die Speedqueen partout nicht verzichten. Was sich jemand wünscht, der wie Renate in ihrer bisherigen Karriere fast alles erreicht hat, was man erreichen kann: „Gesundheit, und dass es meiner Familie gut geht“.

In sportlicher Hinsicht ist die noch fehlende Goldmedaille bei Olympischen Spielen das erklärte Ziel der sympathischen Obdacherin. „Eine Goldmedaille zu gewinnen, wäre sicher noch schön. Aber man kann solche Dinge ohnehin nicht programmieren. Ich bin jedenfalls fleißig am Trainieren, und wenn es sich ausgeht, umso besser. Aber auch wenn es nicht sein soll – das Leben geht weiter“. Porträt Renate Götschl Geboren: 6. 8. 1975 Sternzeichen: Löwe Erfolge: Gesamtweltcupsieg 2000, 4 x Abfahrtsweltcupsiegerin, 2x Super-G Weltcupsiegerin, 37 WC-Siege, 2-fache Weltmeisterin (Sestriere 97 Kombination, Vail 99 Abfahrt), 2 Olympiamedaillen (Silber und Bronze Salt Lake City 2002).

Murtaler Zeitung, 10.11.2005


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