Bei ihren vierten und letzten Olympischen Spielen wird Renate Götschl in einer Beziehung auf jeden Fall die Erste sein.
Nur Olympia-Gold fehlt der Steirerin noch
Sie kommt am Freitag als Vorhut des alpinen Damenteams nach Turin und wird am Abend bei der Eröffnung der XX. Winterspiele die österreichische Fahne tragen.
"Eine wirklich besondere Ehre, ich freue mich sehr auf die Spiele", bedankte sich die Steirerin, die vor vier Jahren in Salt Lake City zwei Olympia-Medaillen gewonnen hatte.
Nummer drei in der Siegesrangliste
Die Erfolgsstory der 30-Jährigen ist weithin bekannt. 1993 stürmte sie als 17-jährige Schülerin mit Startnummer 42 (bis heute Rekord) im Hafjell-Slalom zum ersten Weltcup-Sieg.
2000 gewann sie als Doppelweltmeisterin auch den Gesamtweltcup, mit mittlerweile 38 Weltcup-Siegen (20 Abfahrt, 13 Super-G, ein Slalom, vier Kombination) ist sie in der "ewigen Rangliste" hinter Annemarie Moser-Pröll (62) und Vreni Schneider (55) die Nummer drei und damit die erfolgreichste aktive Skifahrerin.
Bisher zwei Olympia-Medaillen
Nur die Olympischen Spiele haben es bisher nicht so gut gemeint mit der am 6. August 1975 geborenen Läuferin aus dem obersteirischen Schwarzenbach bei Obdach, die vergangenes Jahr zum zweiten Mal nach 1997 zu Österreichs Sportlerin des Jahres gewählt wurde.
1994 in Lillehammer stürzte sie als 18-Jährige in der Abfahrt und verletzte sich. Nagano verließ sie 1998 als mehrfach geschlagene Favoritin ohne Medaille.
Vor vier Jahren in Salt Lake City war die blonde Steirerin, die bis dahin schon fünf ihrer mittlerweile sechs WM-Medaillen (sieben inkl. Teambewerb) gewonnen hatte, mit Kombi-Silber und Bronze in der Abfahrt aber endlich erfolgreich und zugleich Retterin der Nation.
Diese Rolle liegt ihr offenbar und verbindet sie auch mit der Olympiaregion. In Sestriere hatte Götschl 1997 mit Kombi-Gold eine Pleite des ÖSV-Damen-Teams verhindert.
Eine Frage der Stimmung
Götschl steht aber auch für ein Wechselbad der Gefühle. Geht etwas daneben, ist die ehrgeizige Kämpferin oft unansprechbar. Wird sie ihren hohen Ansprüchen gerecht, "passt" es.
Mit den Jahren setzte sich aber nicht nur das Talent gegen die Verwegenheit durch, es kam auch viel Gelassenheit dazu. "Man kann eben nichts erzwingen" ist mittlerweile Götschls Standardspruch geworden, Geduld zu einer ihrer Tugenden. "Ich habe den schönsten Beruf überhaupt. Skifahren war immer mein Traum, und der ist in Erfüllung gegangen", sagte sie anlässlich ihres 30. Geburtstages.