Götschl mit perfektem Lauf zum Abfahrtssieg in Zauchensee
Götschl - Presse am 14.01.2007 - 08:49 Uhr
Renate Götschls Sieg in Zauchensee war der erster Abfahrtserfolg der ÖSV-Damen in dieser Saison. Die Überraschung war Maria Holaus mit Rang vier in ihrer ersten Weltcupabfahrt.
Mit einem Vollgas-Lauf von ersten bis zum letzten Meter hat Renate Götschl am Samstag die Weltcup-Abfahrt in Zauchensee gewonnen. Die Steirerin verwies auf der verkürzten Kälberlochstrecke bei ihrem dritten Weltcupsieg in diesem Winter nach zwei Super G und dem insgesamt 41. Erfolg der Karriere die Schweizer Überraschungsfrau Dominique Gisin (+0,23) und die US-Amerikanerin Julia Mancuso (+0,30) auf die weiteren Plätze. Sensationell Vierte bei ihrem Weltcupdebüt wurde die 23-jährige Tirolerin Maria Holaus (0,71).
Verrückte Damenabfahrt. Es war - bis die Besten kamen - eine verrückte Damenabfahrt, denn die mit Startnummer eins ins Rennen gegangene Gisin führte immer noch, als mit Nummer 29 Götschl ins Rennen ging. Gisin, die am Freitag als einzige über die Piste gegangen war, ehe das Rennen abgebrochen wurde, hatte eine Spitzenzeit vorgelegt, an der reihenweise die Konkurrentinnen zerbrachen und teilweise extreme Zeitrückstände aufwiesen.
Andrea Fischbacher. Die im Training als Zweite so starke Salzburgerin Andrea Fischbacher (am Ende 33.), Alexandra Meissnitzer (18.), Nicole Hosp (23.), Elisabeth Görgl (30.) und Ingrid Rumpfhuber (35.) - sie alle blieben ohne große Fehler und kamen dennoch nicht an die 21-jährige Engelbergerin heran, die ihren ersten Stockerlplatz einfuhr und bisher zwei neunte Plätze in Val d'Isere 2006 als beste Ergebnisse zu Buche stehen hatte. Unter den ÖSV-Damen machte sich Ratlosigkeit breit. Doch dann kam die Speed-Queen.
Lindsay Kildow. Spannend wurde es noch, als nach Götschl die US-Amerikanerin Lindsey Kildow bei der oberen Zwischenzeit eine halbe Sekunde voranlag. Die US-Amerikanerin rutschte dann aber auf dem Innenski aus und ins Fangnetz. "Das war Glück für mich, denn die ist schnell. Aber man muss es auch runterbringen. Wichtig ist aber, dass sie sich nichts getan hat", meinte Götschl, die im Abfahrtsweltcup als Zweite noch 15 Punkte hinter Kildow liegt.
Perfekter Schachzug. Ein perfekter Schachzug des ÖSV war die Nominierung von Holaus, die den Startplatz erst nach dem Training bekommen hat, in dem sie Zehnte geworden war. "Mein erstes Ziel war, gesund herunter zu kommen. Unter die ersten 15 wäre schon ein Wahnsinn gewesen. Die Trainer haben gesagt, wenn ich unter die ersten 30 komme, ist das schon gut", plauderte die junge Dame, die bereits drei Kreuzbandrisse hinter sich hat, munter drauf los.
Mannschaftsergebnis. Absolut nicht zum Lachen zu Mute war mit Ausnahme von Marlies Schild, die Elfte wurde, und Katja Wirth, die auf Rang 15 landete, den übrigen Österreicherinnen. Erklärungsversuche? Meissnitzer: "Oben war ich schon weit hinten, dann fehlte das Tempo. Die Fahrt war okay." Fischbacher: "Ich habe alles probiert, aber es ist nicht wirklich was weitergegangen. Ich habe keinen Fehler gemacht." Hosp: "Ich hatte ein gutes Gefühl, keine Ahnung. Oben hat es schon fest geblasen." Görgl: "Ich kann mir das nicht erklären, mir ist es schleierhaft. Dass die Gisin hier einmal öfters gefahren ist, ist schon ein Vorteil, aber das hätten wir leicht wegstecken müssen, wie kennen die Piste in- und auswendig." ÖSV-Alpinchef Hans Pum: "Wir müssen das genau analysieren."
Kleine Zeitung, 14.01.2007