Nach der "Karriere-Verlängerung" hat die Speed-Queen sowohl eine sechste Abfahrtskugel, den 50. Sieg als auch eine WM-Medaille im Visier.
Renate Götschl will es noch einmal wissen Foto: GEPA
Wer braucht Neuseeland? Renate Götschl ist auch nach ihrer Karriere-Verlängerung daheimgeblieben und bereitet sich lieber auf mitteleuropäischen Gletschern auf ihren bereits 16. Weltcup-Winter vor. Die 33-jährige "Speed-Queen" hat erstmals seit Jahren einen beschwerdefreien Sommer hinter sich und blickt Richtung zumindest einer "Bonus-Saison" 2008/09, in der sie nochmals voll angreifen will. In Zermatt, wo sich Götschl derzeit auf den WM-Winter vorbereitet, erfolgte eine Kampfansage an Lindsey Vonn, die dominierende Speed-Piloten des Vorwinters.
Kampfbereit. Denn Götschl macht kein Hehl daraus, dass die US-Weltcup-Gesamtsiegerin die Abfahrts-Krone nur deshalb so leicht an sich reißen konnte, weil bei der Österreicherin selbst vieles nicht gepasst hatte. Die problematische Vorbereitung mit den neuerlichen Knie-Operationen, aber auch Material-Abstimmungsprobleme nach der Verbreiterung der Schi hatten vergangenen Winter dazu geführt, dass die Atomic-Pilotin und Gewinnerin von 46 Weltcuprennen zum erst zweiten Mal in 15 Saisonen sieglos geblieben war. "Lindsey ist ganz sicher ein Megatalent. Aber das schreckt mich nicht. Ich hatte davor ebenso große Vorsprünge und auf dem Schisektor sind wir jetzt auf dem Weg zum perfekten Package", gab sich die Steirerin nun kampfbereit.
Zu früh für die Pension. Dass Götschl überhaupt weiterfährt, war bis zum Sommeranfang offen gewesen. "Umgekehrt war ich aber auch nie wirklich überzeugt, dass ich's lassen soll", gestand das "Renntier" Götschl. Eine zweimonatige Auszeit zu Hause in Schwarzenbach, ein zufriedener Blick auf die endlich wieder schmerzfreien Knie und dann war Anfang Juli die Erkenntnis, "dass ich eigentlich noch sehr viel Spaß am Schifahren habe", da. Götschl: "Für die Schi-Pension war es einfach noch zu früh." Bei den ÖSV-Damen gibt es nur noch zwei Trainingsgruppen. Götschl gehört offiziell der Technikgruppe an, trainiert dort aber weitgehend autonom unter Kurt Mayr.
Große Ziele. Was man einem Routinier, der 393 Weltcup-Rennen und 109 Podiumsplatze auf dem Buckel hat, überhaupt noch beibringen kann? "An der Technik muss man immer feilen und auch der Umfang muss für die Automatisierung passen, das verringert die Fehlerhaftigkeit", weiß die Steirerin. Der 50. Weltcup-Sieg ist daher für Götschl ebenso ein Saison-Ziel wie die sechste Abfahrts-Kristallkugel, mit der sie ihren legendären Landsmann Franz Klammer überflügeln würde. Und natürlich eine WM-Medaille im Februar 2009 auf der anspruchsvollen Strecke in Val d'Isere. "Ein Ort, an dem ich sehr gerne bin und wo ich noch nie gewonnen habe."
Kleine Zeitung