Renate Götschl ist die älteste Abfahrerin im Weltcup-Zirkus. Aber auch in ihrer 16. Weltcup-Saison hat die Steirerin nach wie vor Siegeshunger
Eines kann man Renate Götschl mit Sicherheit nicht absprechen: Routine. Mit 33 Jahren ist die Steirerin die zweitälteste Läuferin im Weltcup - und Anfang Dezember startet sie in ihre bereits 16. Weltcup-Saison. Dass sie des Öfteren als "Mutter der Kompanie" bezeichnet wird und auch das eine oder andere Mal schon die "Grande Dame" zu hören war, schreckt sie gar nicht. "Das ist mir echt egal. Ich hab' ja kein Problem, dass ich 33 bin - auch wenn die meisten anderen in der Zwischenzeit deutlich jünger sind als ich. so alt bin ich ja nicht; und ich würde auch gar nicht jünger sein wollen. Noch einmal 25? Nein, danke. Ich habe genug erlebt", sagt die Schwarzenbacherin lachend.
Sieg. Und der Sieg, der fragt ohnehin nicht nach dem Alter. Genauso wenig wie das Lampenfieber. "Das hat sich in all den 16 Jahren noch nie geändert - vor dem ersten Rennen steigt die Anspannung, ich bin fast so nervös wie in meinem ersten Jahr. Man ist halt wirklich neugierig, wo man steht."
Neuer Schi. Das Gefühl der Renate Götschl besagt auf jeden Fall nichts Schlechtes. "Aber ganz sicher ist man sich nie", relativiert sie. Gestern ging es für sie nach Sun Peaks, wo der Feinschliff für ihren Saisonauftakt erfolgen soll. Darunter auch finale Tests mit dem Atomic-Doppeldecker. "Wir haben im Sommer schon damit gearbeitet - und in Kanada wollen wir die Abstimmung perfekt machen." Zunächst für Lake Louise, in weiterer Folge aber auch für das große Fernziel: die WM in Val d'Isère. Was Götschl positiv stimmt: "Das erste Mal seit langer Zeit habe ich die Vorbereitung wieder schmerzfrei absolvieren können. Das tut unheimlich gut."
Solider Typ. Götschl hat übrigens auch die Wirtschaftskrise zu spüren bekommen - und musste sich einen neuen Kopf-Sponsor suchen. Rein finanziell macht ihr die Krise weniger Sorgen: "Ich bin ein solider Typ - und so habe ich auch investiert. Wenig Aktien, ich war nie auf den schnellen Gewinn aus." Der schnelle Gewinn zu Saisonbeginn würde die "Speed Queen" aber nicht stören. "Es wird interessant sein, ob die Dichte an der Abfahrtsspitze größer geworden ist. Ich hoffe, dass auch unsere Jungen heuer konstant schnell fahren."
Kleine Zeitung,22.11.2008