Die erst 16-jährige Mirna Jukic, der 33-jährige Tiroler Stephan Eberharter bzw. die Nordischen Kombinierer als Mannschaft sind Österreichs Sportler des Jahres 2002. Die gebürtige Kroatin, die seit Herbst 1999 in Wien lebt, hat heuer in Berlin mit dem ersten EM-Gold auf der Langbahn (200 m Brust) und der ersten Medaille bei einer Kurzbahn-WM (Bronze) heimische Sportgeschichte geschrieben und wurde dafür in der seit 1949 durchgeführten Wahl als erste Schwimmerin zur Nummer eins gekürt. Eberharter darf sich dank seinem Weltcup-Gesamtsieg und seiner drei Olympia-Medaillen von Salt Lake City (Gold RTL, Silber Super G, Bronze Abfahrt) über die zweite Wahl nach 1991 freuen.
Hinter Jukic, die es auf 2.362 Punkte und 112 erste Plätze brachte, landeten Ski-Weltcupsiegerin Michaela Dorfmeister (2.281/91) und die zweifache Olympia-Medaillengewinnerin Renate Götschl (1.665/13) auf den Ehrenplätzen. Die verletzte ÖLV-Parade-Leichtathletin Stephanie Graf, die zuletzt zwei Mal in Folge triumphiert hatte, wurde diesmal mit 1.486 Zählern Vierte. Sollte Dorfmeister mit dem Schicksal hadern, wäre dies verständlich. Seit 1998 kam sie vier Mal unter die ersten Drei, doch wie im Vorjahr reichte es nur zum zweiten Platz.
Eberharter vor Fritz Strobl und Markus Rogan
Eberharter wurde von den 245 Wählern gleich 194 Mal auf Platz eins gesetzt (79,2 Prozent bedeuten neuen Rekord) und gewann mit 2.658 Zählern überlegen vor Abfahrts-Olympiasieger Fritz Strobl (1.518) und dem in den USA weilenden Schwimmer Markus Rogan (1.399), der bei der diesjährigen Langbahn-EM in Berlin drei Medaillen gewann und nach Rang vier im Vorjahr heuer erstmals unter die besten Drei aufrückte.
Mannschaft des Jahres wurde in der von Sports Media Austria durchgeführten Umfrage das Team der Nordischen Kombinierer (Christoph Bieler, Michael Gruber, Mario Stecher, Felix Gottwald), das sich dank Olympia-Bronze mit 1.816 Punkten klar vor dem Fußball-Bundesliga-Klub SV Pasching (1.296/als Aufsteiger derzeit Zweiter) und dem in die Finalrunde eingezogenen Fed Cup-Tennisteam (1.287) mit Barbara Schett, Barbara Schwartz etc. durchsetzte. Nur neun Punkte entschieden über Platz zwei und drei.
Sowohl Jukic als auch Eberharter sorgten dabei für bemerkenswerte Premieren. Die Wienerin ist nicht nur die erste siegreiche Schwimmerin, sondern mit ihren 16 Lenzen auch die bisher jüngste Sportlerin des Jahres. Der Alpinstar aus Tirol, der den derzeit verletzten Vierfach-Sieger Hermann Maier ablöst, wurde elf Jahre nach seinem ersten Erfolg im Jahr 1991 zum zweiten Mal Sportler des Jahres, was vor ihm in einem derart langem Zeitraum keinem anderen heimischen Sportler geglückt war. Den diesbezüglichen „Rekord“ hielt bisher Franz Klammer, der innerhalb von acht Jahren drei Mal (1975,1976 und 1983) zum Sportler des Jahres gewählt worden war.
Reaktionen der Gewinner
Das macht Stephan auch besonders stolz. „Weil so viel Zeit dazwischen liegt, ist das Ganze besonders süß. In meiner Karriere gab es ja viele Höhen und Tiefen. Zuletzt hatte ich wieder ein gewaltiges Jahr. Diese Leistung spricht für mich“, freute sich der Tiroler, dessen Erfolgshunger aber noch lange nicht gestillt ist. Ein, zwei Jahre möchte er noch weiter machen und dabei natürlich weiter seine Spitzenklasse demonstrieren.
Jukic zeigte sich überrascht, als sie von ihrer Wahl erfuhr. „Ich habe eigentlich damit gerechnet, dass vielleicht zwei, drei Skifahrerinnen und vielleicht auch Steffi Graf vor mir sind. Dass ich gewonnen hab’, ist eine große Ehre für mich. Ich bin ja erst 16 und ich schwimme erst seit drei Jahren in Österreich. Ich glaube auch, dass mein erster Platz und der dritte von Markus Rogan viel für den österreichischen Schwimmsport bedeuten.“
Nacht des Sports
Jukic, Eberharter und Co. werden am Mittwoch Abend im Rahmen der „Nacht des Sports“ (Lotterien-Gala) im Salzburger Congress in Anwesenheit von Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer geehrt, wobei Annemarie Moser-Pröll (Herren), Thomas Stangassinger (Damen) und Toni Innauer (Manschaft) die Trophäen überreichen werden. Bei den Behindertensportlern des Jahres - die dreifache Ski-Paralympics-Siegerin Danja Haslacher bzw. der Rennrollstuhl-Fahrer Thomas Geierspichler (vierfacher Weltmeister 2002 und Inhaber der Marathon-Weltbestzeit) wurden gewählt - wird dies Roswitha Stadlober-Steiner tun.
Tamee Harrison und das No Problem-Orchestra sorgen am Mittwoch für die musikalische Untermalung. In ORF2 gibt es von dieser Sport-Gala am Sonntag (27.10.) ab 14:20 Uhr in „Seitenblicke Spezial“ einen 20-Minuten-Bericht.